Hugo Samkalden 1906 - 1943
Geboren 18.2.1906 in Idi
Gestorben 15.3.1943 in Mauthausen
Biografie
Hugo Samkalden war eines von vier Kindern von Joseph Samkalden und Debora de Beer. Die ersten Lebensjahre verbrachte er auf Sumatra, wo sein Vater für die Dordtsche Petroleum Maatschappij (Dortsche Erdölgesellschaft) als Inspektor der Erdölförderung arbeitete. Dort verunglückte einer der beiden Brüder von Hugo, was bei seiner Mutter bleibende psychische Beeinträchtigungen zur Folge hatte. 1910 migrierte die Familie wieder in die Niederlande, wo Joseph Samkalden bis 1923 Generaldirektor der Firma R. S. Stokvis und Söhne in Rotterdam war.
Obwohl Hugo mit 13 Jahren der Tradition zufolge seine Bar Mitzwa feierte, gehörten die Samkaldens de facto zu den assimilierten Juden, und Hugo wuchs daher nicht in einer ausgesprochen jüdischen Sphäre auf. Nach dem Abschlussexamen am Erasmianum im Jahr 1925 begann er in Leiden mit einem Studium der Rechte. Er war ein brillanter Student, hatte einen großen Freundeskreis, schrieb Texte für das Studententheater und trat auch selbst auf. Er war außerdem sehr musikalisch und zeigte Talent als Liedermacher. Während seiner Jahre in Leiden entschied er sich bewusst für ein Leben als Homosexueller.
1927 machte er sein Bachelor-Examen und am 10. Dezember 1929 legte er seine Diplomprüfung in niederländischem bürgerlichem Recht ab, mit den Nebenfächern Gewohnheitsrecht und Kriminologie. Im Juli 1931 folgte eine zweite Diplomprüfung, die Gewohnheitsrecht, niederländisch-indisches bürgerliches Recht, javanisches Recht und Soziologie umfasste. In der Zwischenzeit arbeitete er zudem an seiner Doktorarbeit, für die er 1930 ein Jahr lang beim Deutschen Institut für Zeitungskunde in Berlin forschte. Am 26. Februar 1932 promovierte er an der Universität Leiden zum Doktor der Rechtswissenschaften mit einer Dissertation zu Öffentliche Meinung, Presse und Staat. Nachdem es für Hugo schwierig war, in den Niederlanden eine Stelle in seinem Spezialgebiet zu finden, entschied er sich schließlich für eine Karriere als Jurist in Niederländisch-Indien. Im März 1932 erhielt er eine Anstellung als außerordentlicher Substitut-Protokollführer beim Gericht in Medan. Dort knüpfte er seine ersten Kontakte mit der niederländisch-indischen Presse – insbesondere zum Deli-Courant des Schriftstellers Willem Brandt –, Kontakte, die er intensivierte, als er im Oktober 1933 bei der Allgemeinen Stadtverwaltung in Buitenzorg [Stadt in West-Java] in der Abteilung für staatsrechtliche, soziale und juridische Angelegenheiten tätig wurde. Hugos Beamtenkarriere verlief erfolgreich, er wurde rasch befördert und im April 1938 hatte er den Dienstrang eines Gerichtssekretärs (zweiter Klasse). Mittlerweile publizierte er regelmäßig im Bataviaasch Nieuwsblad und im Indischen Courant zu literarischen und historischen Themen. Er nahm an den monatlich stattfindenden philosophischen Diskussionen von Prof. H. R. Hoetink teil und war weiter beim Amateurtheater aktiv. Gemeinsam mit unter anderen dem Schriftsteller E. du Perron und einigen indonesischen Intellektuellen bereitete er die Gründung einer Allgemeinen Indischen Kulturzeitschrift vor, die jedoch erst nach dem Krieg erscheinen sollte.
Seine Karriere nahm ein Ende, als 1938 in Batavia ein Sittenskandal ans Licht kam, dem auch viele homosexuelle Beamte zum Opfer fielen. Hugo wurde im Februar 1939 wegen sexueller Kontakte mit – nach damals geltendem Recht – minderjährigen niederländischen Männern verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Während seiner Haft schrieb er zahlreiche Artikel und Aphorismen über den Begriff Freiheit, die in der progressiven Indischen Zeitschrift Kritiek en Opbouw (Kritik und Aufbau) publiziert wurden. Nach Beendigung seiner Haftzeit reiste er zurück in die Niederlande, wo er am 3. Mai 1940 ankam. Ein schlechterer Moment war für einen jüdischen Niederländer kaum denkbar. Unter der Deutschen Besetzung hatte er keinerlei Aussicht auf eine neue Anstellung. Er begann für den Widerstand zu arbeiten und war bei der Kartierung der Luftlandeplätze von Haamstede beteiligt. Am 26. September 1941 wurde er verhaftet und am 2. März 1942 verurteilte ihn das Marinegericht zum Tod. Am 22. Juli wurde die Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umgewandelt. Die zahlreichen Briefe, die Hugo zuerst aus dem Oranjehotel und danach aus dem Kriegswehrmachtgefängnis in Utrecht an seinen Vater – seine Mutter war 1927 gestorben – und seine Freunde schrieb, sind Dokumente von ungebrochener Geistesstärke und einer stoischen Haltung.
Wann Hugo Samkalden nach Mauthausen deportiert wurde – ob direkt oder über andere Lager – ist unbekannt. Er war 37 Jahre alt, als er im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde.
Der Name Hugo Samkalden steht auf der Ehrenliste der Gefallenen 1940–1945.
Henny E. Dominicus
Stichting Vriendenkring Mauthausen
Henny E. Dominicus ist die Autorin des Buches Mauthausen, een gedenkboek, das sie gemeinsam mit Alice van Keulen-Woudstra für die Stichting Vriendenkring Mauthausen herausgegeben hat.
Aus dem Niederländischen von Veronika Zangl
Literatur:
Biografisch Woordenboek van Nederland, unter Endredaktion von J. Charité und A.J.C.M. Gabriels. DI.4‚ Instituut voor Nederlandse Geschiedenis ('s Gravenhage 1994), S. 445–447.
Position im Raum

