Иван Белозор / Iwan Belоsor 1922 - 1944 Bearbeiten
Geboren 19.5.1922 in Tiraspol
Gestorben 10.1.1944 in Mauthausen
Biografie
Iwan Belosor kam am 10. oder 19. Mai 1922 im ukrainischen Tiraspol zur Welt. Über sein Leben vor seiner Ankunft in Deutschland ist nichts bekannt. Er war bei den Arado Flugzeugwerken in Brandenburg an der Havel beschäftigt, wo er am 27. Juli 1942 flüchtete. Die Kriminalpolizei Potsdam ermittelte daraufhin gegen Sergey Rybak (geb. am 22. Oktober 1922), wie sich Iwan Belosor seit seiner Flucht nannte. Aus Angst, wieder zur Arbeit zurückgeschickt oder in ein KZ eingewiesen zu werden, hatte er den Namen eines Freundes angenommen.
Nach seiner Festnahme behielt die Gestapo Potsdam Iwan Belosor drei Wochen in „Schutzhaft“ und verpflichtete ihn am 17. August 1942 zum Pferdeschlächter Robert May in Potsdam, Charlottenstraße 22, bei dem er auch wohnte. Diesem stahl er am 30. August 1942 Kleidung, Lebensmittel und Tabak aus seinem Sommerhaus. Einen Tag später wurde er festgenommen und war bis zum 2. Oktober 1942 in Zahna oder Wittenberg inhaftiert und wurde dann ins Polizeigefängnis Potsdam überstellt.
Iwan Belosor gestand, bereits in der Sowjetunion mehr als 200 Einbrüche und Diebstähle ausgeführt und dafür insgesamt 25 Monate und 11 Tage in Haft gesessen zu haben. Ob dies stimmt oder unter Gewalt ausgesagt wurde, ist unklar. Doch führte sein Geständnis am 19. November 1942 wohl zur Einweisung ins KZ Mauthausen.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam bereitete derweil den Prozess vor. Der KZ-Kommandant verweigerte jedoch die Auslieferung Belosors an die Justiz. Er berief sich auf den Erlass des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) vom 23. Dezember 1942, nachdem „Ostarbeiter“ nur an die Gestapo überstellt werden durften. Doch weder das RSHA noch die Gestapo hatten Interesse an einem Gerichtsverfahren. So scheiterte auch der Versuch des Oberstaatsanwaltes, den Prozess in die Nähe des KZ zu verlagern. Das Verfahren wurde am 12. Juni 1943 vorläufig eingestellt, wie es in den Akten heißt.
Iwan Belosor wurde am 30. August 1943 im Außenlager Wiener Neudorf eingesetzt, wo er bis zu seinem Tod am 10. Januar 1944 für die Flugmotorenwerke Ostmark arbeiten musste.
Jeanette Toussaint, freiberufliche Ethnologin in Potsdam (Stand 29.11.2024)