Wilhelm Gusek 1904 - 1944 Bearbeiten
Geboren 23.7.1904 in Wanne-Eickel
Gestorben 13.3.1944 in Mauthausen
Biografie
19. März 1933: Wilhelm Gusek (1904 - 1944 ) aus Wanne-Eickel
Unter der Überschrift „Wieder ein auswärtiger Kommunist festgesetzt“ berichtet eine Nordhorner Zeitung über die Verhaftung des Wanne-Eickeler Bergmanns Wilhelm Gusek (KPD) von der Georgstr. 5 im Stadtteil Unser-Fritz.
„Nach langem Suchen entdeckte man eine Bodenluke … Der Flüchtling, ein Hüne von Gestalt, hielt sich hinter einem Schornstein versteckt und versuchte, jetzt zu entkommen. Bei der Festnahme fand man dann verschiedene Briefschaften, u.a. einen Brief von seinen Wanner Genossen, worin der Rat erteilt wurde, über Holland aus zu versuchen, die Sowjet-Union zu erreichen. Anstatt ins Arbeitervaterland ging’s nun aber unverhofft ins Amtsgerichtsgefängnis nach Neuenhaus.“ [1]
Willi Gusek, wurde am 23. Juli 1904 als drittes Kind von 12 Geschwistern in Wanne geboren, verbrachte Kindheit und Jugend in Unser-Fritz, war hier seit 1919 Mitglied des KJV, ab 1925 der KPD. Nach Maßregelung und Entlassung auf der Zeche „Eschweiler-Reserve“ im Aachener Kohlerevier war er seit 1930 hauptamtlich für die KPD tätig. 1932 kandidierte er hier erfolglos für seine Partei zu den Reichstagswahlen.[2] Offenbar war Gusek nicht auf der Flucht, sondern illegal als Instrukteur der für das Nordhorner Grenzgebiet zuständigen KPD-Bezirksleitung Ruhr unterwegs, die 1933 unter Leitung des ebenfalls aus Wanne-Eickel stammenden Bergmanns August Stötzel stand. [3] Nordhorn entwickelte sich zur wichtigen Drehscheibe für den Schmuggel von Parteischriften und das Schleppen von KPD-Aktivisten nach Holland.[4] Nach Nordhorn waren in den 1920er Jahren mehrere Wanne-Eickeler wegen der boomenden Textilindustrie übergesiedelt. So auch Otto Buttler, ein ehemaliger Schulfreund und Genosse, der Gusek jetzt in Nordhorn Quartier bot und mit ihm und weiteren Antifaschisten verhaftet wurde. Vom Gerichtsgefängnis Neuenhaus aus durchlief Willi Gusek die Konzentrationslager Mohringen, Brandenburg und Esterwegen um Anfang Januar 1935 in Bochum von der Gestapo entlassen zu werden. Nachweislich hat er im KZ Brandenburg u.a. in Kontakt mit dem ebenfalls inhaftierten Reichstagsabgeordneten Dr. Theo Neubauer die illegale Arbeit fortgesetzt.[5] Er kehrte in die elterliche Wohnung nach Wanne-Eickel zurück und stand fortan unter strenger Überwachung der Polizei. Willi betätigte sich offiziell als Anzeigenwerber, da diese Tätigkeit ein überregionales Agieren ermöglichte und verzog im Juni 1935 nach Köln. Mit Hilfe von Genossen setzte er sich über Eschweiler zunächst nach Belgien ab und erhielt im November 1935 den Parteiauftrag nach Amsterdam zu wechseln. Nach vorheriger Einweisung durch die KPD-Abschnittsleitung West übernahm er im Dezember 1935 die Leitung der illegalen Grenzstelle im holländischen Heerlen die er bis Oktober 1936 innehatte. Auch von der holländischen Polizei verfolgt hielt er sich 1937/38 u.a. in Rotterdam bei seiner holländischen Lebensgefährtin Vermeulen verborgen.
Am 24. November 1938 wurde Willi Gusek von der holländischen Polizei verhaftet zunächst in Rotterdam und dann im Internierungslager Vlieland inhaftiert. Im Gefängnis Rotterdam hatte die KPD über den Rechtsanwalt van der Hoeven mit dem Gefangenen noch Kontakt aufgenommen. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Holland wurde Willi Gusek am 23.Mai 1940 von der Gestapo festgenommen und nach Deutschland verbracht.
Hier war er zunächst bis Februar 1941 in Aachen inhaftiert, wurde ins Gerichtsgefängnis Hamm überführt und hier bestialisch gefoltert.[6] Am 7. März 1941 erging durch das OLG Hamm das Urteil wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“: 7 Jahre Zuchthaus. Am 8. Dezember 1941 wurde er bis zum 27.Dezember 1943 im Zuchthaus Münster eingekerkert. Mit Zwischenstopp im Polizeigefängnis Frankfurt am Main am 6./8. Januar 1944 Transport ins KZ Mauthausen mit der Häftlingsnummer 41896 versehen. Hier kommt Willi Gusek am 13. März 1944 um 8:15 Uhr unter ungeklärten Umständen zu Tode. Offizielle Todesursache „Nierenentzündung, Harnvergiftung“.[7]
Norbert Arndt
DGB-Geschichtswerkstatt Herne
[1] Zeitung und Anzeigenblatt Nr.70, Nordhorn, vom 24.03.1933, NLA Rep 450 Bent II Nr. 409
[2] Bundesarchiv 5 O Js. 58/40
[3] Dr. Werner Rohr, Widerstand und Verfolgung in: Schriftenreihe der VHS Nordhorn f.d.Landkreis Grafschaft Bentheim, Band 14, S. 152 ff
[4] Herbert Wagner, Die Gestapo war nicht allein, Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929-1945, Lit Verlag, Münster, 2004
[5] Bundesarchiv 5 O Js. 58/40 und Karl Schabrod, Widerstand an Rhein und Ruhr, S.114, Nierhoff, Herne, 1969
[6] Erinnerung des Neffen Heribert Gusek, Wanne-Eickel , Claudiusstr. 838, im Februar 2012. Danach wusste man in der Familie von der Inhaftierung in Hamm. Die beiden Schwestern von Willi Gusek, Marie und Grete hätten ihn dort besucht. Er hätte völlig zerschlagen ausgesehen. Während eines Verhöres hätte man ihm bei vollem Bewusstsein die Sehnen aus den Fingern gezogen …
[7] arolsen archivs/ITS-Archiv/ verschiedene Signaturen