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Danilo Veronesi 1926 - 1944 Bearbeiten

Geboren 3.7.1926 in Caprino Veronese
Gestorben 13.5.1944 in Ebensee

Biografie

Danilo Veronesi wird als Sohn von Adelino Veronesi und Maria Dossi geboren. 1936 zieht er mit der Familie nach Mailand. Die Familie ist antifaschistisch gesinnt, und nach dem Ausbruch des Krieges beginnt eine Gruppe Jugendlicher, der auch Danilo angehört, aktiv Propaganda gegen das Regime zu machen und Flugblätter zu verteilen. Nach dem 8. September 1943 findet die Gruppe in von Militäreinheiten verlassenen Gebäuden einige Gewehre und versteckt sie in der näheren Umgebung in Gärten, um sie später den Partisanen zukommen zu lassen. Ein Faschist aus dem Viertel erfährt das und denunziert sie, um die Belohnung zu bekommen, die damals Denunzianten zustand.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Jänner 1944 stürmt eine Abteilung der faschistischen Brigade „Muti“ das Stadtviertel, durchsucht die angegebenen Wohnungen und verhaftet die jungen Männer und ihre Väter: Ihnen wird damit gedroht, dass sie auf der Stelle erschossen werden, wenn sie die Waffen nicht sofort aushändigen. Ein so schreckliches Ende für alle vor Augen verrät Danilo das Versteck und übergibt die Waffen. Alle werden frei gelassen bis auf Danilo und zwei weitere Kameraden, die der Partisanentätigkeit beschuldigt und im Gefängnis San Vittore eingesperrt werden.

Von hier wird er anderswohin gebracht, aber seine Familienangehörigen erfahren nichts davon, und erst nach langer Zeit bekommt die Familie eine offizielle Benachrichtigung vom deutschen Kommando, worin steht, dass der Sohn nach Deutschland „zur Arbeitsfront“ geschickt wurde und dass er „in Folge von Verletzungen nach einem terroristischen Bombenangriff der Angloamerikaner ums Leben gekommen“ sei.

Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Danilo wird von San Vittore nach Mauthausen deportiert, wo er am 11. März 1944 ankommt. Er wird mit der Häftlingsnummer 57467 registriert, Kategorie Schutzhäftling, angegebener Beruf Lehrling, und am 25. März wird er nach Ebensee überstellt. Nach der Aussage von Roberto Castellani aus Prato, einem Mithäftling und Leidensgenossen Danilos, der die Deportation überlebt hat, war er „ein außergewöhnlicher Junge: er dachte immer an die anderen, er half ihnen … wer in der Kolonne, die von der Arbeit zurückkam, zu Boden fiel, den lud er auf den Rücken, um ihn ins Lager zu tragen, ohne darauf zu achten, was er war, ob Italiener, Pole oder Jude.“

Zusammen gehen sie in die lagerinterne Widerstandsgruppe, die aus Häftlingen verschiedener Herkunft bestand. Es wird ein Fluchtversuch organisiert, Danilo meldet sich freiwillig dazu, und es gelingt ihm, in der Nacht des 9. Mai zu fliehen. Er findet in einer Baracke Zuflucht, die kaum 15 Kilometer entfernt liegt. Doch nach drei Tagen wird er von einem Jagdaufseher überrascht, der ihm mit einem Spaten einen Schlag versetzt, wodurch er bewusstlos wird. Man bringt ihn am Abend des 13. Mai ins Lager zurück, er wird verhört und mit Knüppeln geschlagen. Schließlich hetzt der für seine Grausamkeit bekannte Lagerkommandant Otto Riemer einen Hund auf ihn, der ihn zerfleischt – Danilo stirbt.

Am nächsten Morgen wird sein geschundener Leichnam als Mahnung für alle anderen Häftlinge während des Appells ausgestellt. Dann wird er auf den elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun geworfen, damit der Kommandant im Register eintragen kann, dass der Häftling in Folge von „Selbstmord durch Elektrizität“ gestorben ist – eine der vielen Lügen, die gebraucht wurden, um willkürliche Exekutionen zu vertuschen.

Erst in den 1990er-Jahren erfahren Danilos Schwestern durch die Aussage von Roberto Castellani, Präsident der ANED von Prato, und die Forschungsarbeit seiner Geburtsgemeinde, die auch eine Straße nach ihm benennt, die quälende und grausame Wahrheit, aber auch vom heldenhaften Verhalten ihres jungen Bruders Danilo.

ANED, Sezione Verona

Aus dem Italienischen von Camilla Brunelli

 

Literatur:

Roberto Castellani: Zeugenbericht (http://www.testimonianzedailager.rai.it/testimoni/pdf/test_45.pdf).

Florian Freund: KZ Zement Ebensee. Il campo di concentramento di Ebensee, commando di Mauthausen e l'industria missilistica (Torino 1990). (deutsch: Arbeitslager Zement. Das Konzentrationslager Ebensee und die Raketenrüstung [Wien 1989]).

Vasco Senatore Gondola: Da Caprino a Ebensee: Danilo Veronesi, un martire del nazismo (Caprino Veronese 2002).

Giovanna D’Amico/Giovanni Villari/Francesco Cassata (Hg.): Il libro dei deportati. I deportati politici 1943–1945, Band I (Mailand 2009), Forschungsarbeit unter der Leitung von Brunello Mantelli, Nicola Tranfaglia, gefördert von der ANED.

Gracco Spaziani: Deportati veronesi morti nei campi di concentramento e di sterminio, Anhang vom Jänner 2015 zu: Gracco Spaziani/Paola Dalli Cani: Prigionia e deportazione nel veronese 1943-45 (Caselle di Sommacampagna [Verona], 2012).

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