František Schacherl 1887 - 1944 Bearbeiten
Geboren 4.10.1887 in Třeboň
Gestorben 11.7.1944 in Mauthausen
Biografie
Von 1902-1905 besuchte er die Tschecho-slawische Handelsakademie in Prag und legte das Abitur mit Auszeichnug ab. Dann trat er in den Benediktinerorden ein und studierte in Seckau (Österreich), Prag und Rom, wo er 1914 Doktor der Theologie wurde. Dieser Titel wurde ihm an der Universität in Graz anerkannt. Von 1916-1921 studierte er Physik und Chemie an der Karlsuniversität Prag und nach erfolgreichem Staatsexamen erlangte Schacherl 1922 den Titel Dr. rer. nat. Seine Dissertation hatte zum Thema: O vlivu tlaků nižších jedné atmosféry na refrakci vodíku (Über den Einfluss von Drücken unter einer Atmosphäre auf die Refraktion des Wasserstoffes). In eben diesem Jahr begann er seine Tätigkeit als Assistent am Institut für anorganische Chemie der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Masaryk-Universität. 1931-1932 war Schacherl als Stipendiat der italienischen Regierung in Rom und 1934-1935 arbeitete er in Paris am Institut für industrielle Physik und Chemie. Dazwischen habilitierte er sich 1932 mit der Schrift: O vlivu kysličníku dusičitého na světélkování fosforu (Über den Einfluss von Stickstoffdioxyd auf das Phosphoreszieren des Phosphors) im Fach Anorganische Chemie an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Masaryk-Universität Brünn. Danach arbeitete er hier als Privatdozent und 1938 wurde das Verfahren zur Ernennung zum Professor eingeleitet, das jedoch durch die Schließung der tschechischen Hochschulen durch die Nazisten im November 1939 nicht mehr zum Abschluss gebracht werden konnte.
František Schacherl war der Autor einer Reihe tschechisch und französisch geschriebener wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Studien, vor allem auf dem Gebiet der Chemie. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören die Monografien Rukopisy po stránce chemické (Handschriften zur Chemie) (Praha 1938) und Nitro atomů (Das Atominnere) (Praha 1941).
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch das nazistische Deutschland reihte sich Dozent Schacherl in den Widerstand der Mitarbeiter der Brünner Hochschulen ein und arbeitete zusammen mit Professor Jan Florian an der Vorbereitung von Störungsmitteln zur Sabotage an Eisenbahnstrecken. Die Gestapo nahm ihn am 17. Oktober 1941 in Lipůvka, Kreis Brünn-Land (okres Brno-venkov) fest. Nach der Überführung des Festgenommenen nach Brünn wurde in seiner Wohnung eine Hausdurchsuchung durchgeführt, bei der eine Liste von verschiedenen Personen von der Gestapo sichergestellt wurde, die für den Widerstand Geld gespendet hatten, weiterhin das Tagebuch von Schacherl und eine kleine Landkarte, die von Professor František Koláček an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Masaryk-Universität erarbeitet worden war, der ebenfalls im Widerstand organisiert war und am 7. Mai 1942 in Mauthausen hingerichtet wurde. Auf ihr befanden sich bezeichnete Stellen für die Abwürfe der Fallschirmspringer, was der Gestapo weitere Zugriffe auf den tschechischen Widerstand erleichterte. Nach Verhören wurde Schacherle jedoch am 28. Oktober 1941 unter der Bedingung freigelassen, dass er Angehörige des nazistischen Sicherheitsapparats auf die Spur eines Führers des tschechischen Widerstandes, des Dozenten Vladimír Krajina (1905-1993), bringen sollte, zu dem er direkten Kontakt hatte. Das war nach dem Krieg die Beschuldigung Schacherles, dass er Mitarbeiter des Widerstandsnetzes der Masaryk-Universität verraten habe. Es bleibt jedoch eine Tatsache, dass eine Reihe von Angestellten der Universität bereits vor ihm verhaftet worden waren. Schacherl hat die ihm von der Gestapo gestellte Aufgabe nicht erfüllt, so dass er am 3. April 1943 verhaftet und ins Konzentrationslager Mauthausen gebracht wurde, wo ihn die Nazis am 11. Juli 1944 zu Tode marterten.
Vladimír Černý
Vladimír Černý, geb. 1975 in Svitavy, studierte Geschichte und Politologie an der Masaryk-Universität in Brno. Gegenwärtig unterrichtet er extern am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Studien an der Fakultät für soziale Studien und am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.
Quellen:
Archiv der Masaryk-Universität, Fond A 6 Persönliche Akten der Naturwissenschaftlichen Fakultät, Karton 10, Signatur 13/4, persönliche Akte von František Schacherl.
Literatur:
Jiří Pulec: Případ Schacherl (Der Fall Schacherl). In: Univerzitní noviny (Universitätszeitung), Jg. 7, 2000, Nr. 3 und 4, S. 52-57 und 32-34.
František Vašek/Zdeněk Štěpánek: První a druhé stanné právo na Moravě (1941-1942) (Das erste und zweite Standrecht in Mähren), Brno 2002.