Aart Hendrik Alblas 1918 - 1944 Bearbeiten
Geboren 20.9.1918 in Middelharnis
Gestorben 7.9.1944 in Mauthausen
Biografie
Aart Alblas wuchs in einer großen reformierten Familie mit acht Mädchen und drei Buben auf. Er verbrachte seine Jugend in Dordrecht, wohin seine Eltern kurz nach seiner Geburt zogen.
Von Kindesbeinen an hatte Aart eine große Liebe: Das Meer. Nach seinem HBS[1]-Abschluss ging er dann auch als Fähnrich zum Königlichen Institut für die Marine in Willemsoord, aber letztendlich landete er bei der Handelsmarine. Er brach seine Ausbildung in Den Helder ab, absolvierte stattdessen die Seefahrtschule und ging anschließend als Steuermann zur See.
Als die Deutschen im Mai 1940 einmarschierten, befand sich Aart an Land, ein Zufall, der seiner Rolle im Kampf gegen den Feind eine unvorhergesehene Wendung geben sollte. Dass es seine Pflicht war, diesen Kampf zu führen, war für Aart eine heilige Überzeugung. Nachdem es ihm im Herbst 1940 gelungen war, nach Frankreich zu gelangen, um englische Militärs, die dort zurückgeblieben waren, zu helfen, und er es auch geschafft hatte, nach Hause zurückzukehren, startete er Versuche, nach England zu kommen. Daraufhin stach er im März 1941 zusammen mit einem Freund mit einem Rennboot in die Nordsee, beide als deutsche Offiziere verkleidet.
Aarts größter Wunsch war, in den U-Boot-Dienst zu treten, aber als er in England ankam, ließ er sich dazu überreden, für den MI-6/CID[2] zu arbeiten. Das hieß, dass er als Funker in die Niederlande zurückgeschickt werden würde. Das war ihm nicht unrecht, denn er wollte so schnell wie möglich wieder weg aus England, da ihm als strenggläubiger Calvinist die dort herrschenden lockeren Sitten zutiefst zuwider waren.
Nach einem Schnellkurs wurde er am 5. Juli mit seinem Radiosender in der Nähe von Assen abgesetzt. Er schaffte es, nach Den Haag zu kommen und fing von einer Adresse in der Riouwstraat an, seinen Auftrag auszuführen: Das Durchfunken möglichst vieler militärischer Informationen. Ende August wurde sein Sender – der laut seinen Auftraggebern nicht zu orten war – entdeckt. Aart konnte sich gerade noch der Festnahme entziehen. Nachdem er unterhalb von Moerdijk eine neue Adresse gefunden hatte, begann er im Oktober wieder zu funken. Er war in dem Moment der einzige Geheimagent, der mit London in Verbindung stand, und er arbeitete hart, um so viele Berichte wie nur möglich durchgeben zu können. Im Jänner 1942, als es unter seinen Kontakten immer mehr Verhaftungen gab, musste er jedoch untertauchen. Es folgte eine Wanderung durch zahlreiche Adressen. An einer dieser Adressen, in der Laan van Poot in Wassenaar, begegnete er dem Mädchen, in das er sich verliebte und mit der er sich verlobte: Pum Hueting, Tochter des Hauses. Was Aarts’ Bemühungen, den Deutschen immer einen Schritt voraus zu sein, erschwerte, war die Tatsache, dass er wegen eines auffälligen äußeren Merkmals leicht zu erkennen war. Eines seiner Ohren hatte eine ungewöhnliche Form, und um das Risiko zu verringern, ließ er sich im Zuidwal-Krankenhaus in Den Haag, wo seine Verlobte als Krankenpflegerin arbeitete, operieren.
Am 15. Juli 1942 wurden Pum Hueting sowie ihre Mutter und ihr Bruder festgenommen – ihr Vater war schon früher verhaftet worden und wurde im gleichen Sommer erschossen – und am nächsten Tag wurde Aart in die Falle gelockt. Er bekam eine Nachricht, dass seine Verlobte krank zu Hause im Bett läge, ging in die Laan van Poot und lief dem SD (Sicherheitsdienst) in die Arme.
Aart überstand ein 72-stündiges Verhör, ohne etwas preiszugeben, und wurde anschließend nach Haaren verbracht, wo ihn seine inzwischen wieder freigelassene Verlobte noch einmal besuchen durfte.
Von Haaren wurde Aart ins Gefängnis in Assen überstellt. Im April 1944 wurde er nach Rawicz überstellt, von wo er am 5. September in Mauthausen ankam. Dort wurde er zwei Tage später ermordet, zwei Wochen vor seinem 26. Geburtstag.
Schon am 6. November 1941 wurde Aart Alblas wegen der mutigen Vorbereitung und Ausführung der gefährlichen Überfahrt aus besetztem Gebiet nach England das Bronzene Kreuz verliehen.
Am 4. Dezember 1948 wurde ihm posthum der Militär-Wilhelms-Orden 4. Klasse verliehen. 1959 wurde ein Minensuchboot für seichte Gewässer nach ihm benannt. Außerdem wurde ihm das Widerstands-Gedächtnis-Kreuz verliehen.
Der Name Aart Hendrik Alblas scheint auch auf der Ehrenliste derjenigen auf, die ihr Leben für ihr Land geopfert haben, sowie auf der fünfflügeligen Gedenktafel für die gefallenen Englandfahrer am Ehrenfriedhof in Loenen.
Henny E. Dominicus
Stichting Vriendenkring Mauthausen
Quelle:
Henny E. Dominicus: Mauthausen. Een Gedenkboek (Amsterdam 1999): online abrufbar (pdf)
[1] Hogereburgerschool
[2] Military Intelligence-6/Zentraler Nachrichtendienst.
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Aart Hendrik Alblas, umgekommen im Rahmen des Englandspiels
Geboren: 20. September 1918, Middelharnis. Sendung: MI-6/CID. Fallschirmabsprung: 5. Juli 1941. Verhaftung: 16. Juli 1942. Gestorben: 6. September 1944 in Mauthausen.
Quelle:
Sammlung Widerstandsmuseum Amsterdam