Павел Константинович Трегубов / Pawel Konstantinowitsch Tregubow 1904 - 1945 Bearbeiten
Geboren 18.8.1904 in Tschugan
Gestorben 3.1.1945 in Hartheim
Biografie
Pawel Konstantinowitsch Tregubow wurde am 18. August 1904 im Dorf Tschugan der Gemeinde Sulajewskij des Wjatskij-Bezirkes in der Region Wjatka (im heutigen Suewskij-Bezirk der Region Kirow) in einer armen Bauernfamilie geboren. Sein Vater wurde 1914 in den Ersten Weltkrieg eingezogen, fiel kurz darauf in einer Schlacht in den Karpaten und hinterließ eine Familie von sieben Personen – die blinde Mutter, die Ehefrau und fünf Kinder.
Pawel war das älteste Kind der Familie und musste nach dem Tod seines Vaters bereits mit zehn Jahren in der Landwirtschaft arbeiten. Im Winter, wenn es keine Arbeit auf dem Felde gab, lernte er in der Dorfschule, konnte aber nur drei Klassen abschließen – es gab keine Möglichkeit, weiter zu lernen. Nach der Oktoberrevolution von 1917 war Pawel bis 1925 als Bauer in der Landwirtschaft tätig, arbeitete auch als Tischler in Dörfern nahe Wjatka. 1925 übersiedelte die Familie ins Dorf Arsenowo des Krapiwinskij Bezirkes in der Region Westsibirien (heute Kemerowo). Von dort wurde Pawel am 26. September 1926 in die Rote Armee einberufen.
Er wurde dem Sonder-Pionier-Bataillon des 19. Küsten-Schützenkorps (Chabarowsk) und der Bataillonschule des unteren Führerbestandes zugewiesen. Die Schule beendete er im August 1927. Danach wurde das Bataillon aufgelöst. Zusammen mit zwei ehemaligen Kompanien des Bataillons wurde Pawel nach Kasan in eines der Pionierbataillone des 13. Schützenkorps überstellt und diente dort bis Oktober 1929. Dann wurde Tregubow zum Aufseher des Militärdepots Nr. 78 in Sysran ernannt. Dort wohnte Pawel Konstantinowitsch bis September 1938 und diente in verschiedenen Stellungen in den Militärdepots Nr. 78 und Nr. 409. 1931 wurde er Mitglied der Kommunistischen Allunions-Partei (Bolschewiki) und begann, am Parteileben der Stadt aktiv teilzunehmen. Noch in Sysran lernte er die Tochter eines heimischen Uhrmachers, Franzewa Tamara Wasiljewna, kennen. Zu seiner neuen Dienststelle – er wurde im September 1938 zum Militärkomissar des Alexeewskij-Bezirkes der Region Kujbyschew ernannt – fuhr er bereits mit ihr.
Diese Informationen entnahmen wir der Autobiografie von Pawel Konstantinowitsch Tregubow, die er am 20. November 1938 eigenhändig geschrieben hatte und die uns seine Enkelin Irina Sinjawskaja zur Verfügung stellte. Leider ist über seinen Lebensabschnitt von 1939 bis 1942 fast nichts bekannt. Die weiteren Angaben stammen aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation und aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
Im „Großen Vaterländischen Krieg“ nahm Pawel Konstantinowitsch Tregubow als politischer Leiter einer Kompanie an Kämpfen im 1264. Schützenregiment der 380. Schützendivision teil. Die Division wurde im Winter 1941 aufgestellt und befand sich ab Februar 1942 an der Kalininer Front im Verband der 22. Armee. Im Juli 1942 wurde sie im Zuge des vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) geplanten Unternehmens „Seydlitz“ fast völlig vernichtet. Die Rotarmisten, die nicht gefallen waren, gerieten in Gefangenschaft. Unter ihnen war Pawel Konstantinowitsch Tregubow, der von einer Gefangenensammelstelle ins Stammlager (Stalag) 319 Cholm deportiert wurde und am 9. März 1943 im KZ Mauthausen ankam, wo er die Häftlingsnummer 24940 erhielt. Insgesamt zählte dieser Transport 135 Personen, wobei die Recherchen zeigten, dass es sich hier bei allen oder fast allen um sogenannte Politruks handelte. Aus der 380. Schützendivision kamen Andrej Petrowitsch Popow (geboren 1910), Grigorij Timofeewitsch Repin (geboren 1899) und Iwan Michajlowitsch Ruban (geboren 1906) zusammen mit Tregubow nach Mauthausen. Die Neuangekommenen erwartete ein unterschiedliches Schicksal. Von den 135 ehemaligen Kriegsgefangenen, die im KZ als politische Häftlinge kategorisiert wurden, wurden bereits am 17. April 1943 59 Mann erschossen, darunter auch Andrej Popow. Die anderen wurden wahrscheinlich als weniger gefährlich eingestuft – man ließ sie am Leben. Grigorij Repin und Iwan Ruban hatten Glück: sie erlebten die Befreiung des KZ am 5. Mai 1945.
Auch Pawel Tregubow erlebte die Freiheit nicht mehr – Pawel war bereits zu Jahresende 1944 ein „Muselmann“ – so nannte man geschwächte Häftlinge, die kaum ihre Füße bewegen konnten. Sie wurden von der Lagerleitung zur „Erholung“ ins sogenannte Sanatorium Hartheim geschickt, wo sie in einer Gaskammer ermordet wurden. Auch Pawel Tregubow starb in Hartheim. Sein Tod wurde offiziell mit 3. Jänner 1945 vermerkt, tatsächlich dürfte er bereits Ende 1944 dort ermordet worden sein.
Tatiana Szekely
Tatiana Szekely lebt als freie Übersetzerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in historischen Forschungsprojekten in Ebenfurth.