Stanisław Barański 1898 - 1944 Bearbeiten
Geboren 3.2.1898 in Drogiszka
Gestorben 15.8.1944 in Hartheim
Biografie
Stanisław Barański wurde in Drogiszka, Landkreis Mielau (Mława), geboren und lebte mit seiner Familie im nicht weit entfernten Dorf Radzimowice. Dort arbeitete er auf dem landwirtschaftlichen Gut, der im Zuge der NS-Enteignung nun von einem Reichsdeutschen verwaltet wurde. Am 8. Januar 1943 ereignete sich auf dem Gut ein Überfall der lokalen Partisanenbewegung, wohl aus Rache für die Enteignung. Einer polnischen Quelle zufolge handelte es sich um eine durch die Deutschen vorgetäuschte Aktion im Rahmen welcher mehrere polnische Landwirte inhaftiert bzw. vor Ort exekutiert wurden. Acht Tage später wurde Stanisław zusammen mit fünf anderen Personen verhaftet. Sie standen im Verdacht, sich an diesem bewaffneten Überfall beteiligt zu haben, oder zumindest in seine Planung involviert zu sein. In den Gestapo-Vernehmungen wies er die Vorwürfe zurück, weshalb die Funktionäre in ihm „einen ganz verlogenen Polen“ sahen. Zwar konnte allen verhafteten Personen keine Mittäterschaft nachgewiesen werden, doch ihre angebliche Mitwisserschaft reichte für die Beantragung der Schutzhaft (Einweisung in ein KZ, Lagerstufe III) durch die Gestapo Zichenau aus. Die Schutzhaft wurde nicht mit einer konkreten Tat begründet, sondern lediglich mit der Vermutung einer antideutschen Haltung: „Seine Handlungsweise lässt befürchten, er werde sich in Freiheit zum Schaden des deutschen Volkes und Reiches betätigen“.
Bis zu seiner Überführung nach Mauthausen war er im Arbeitserziehungslager Soldau (Działdowo) interniert, wo besonders harte Haftbedingungen herrschten. Am 4. Juni 1943 meldete die Kommandantur seine Ankunft. Noch am 1.4.1944 wurde formell seine Schutzhaft um sechs weitere Monate verlängert. Seine Freilassung konnte er jedoch nicht erleben. Er starb am 15. August 1944.
Dr. Katarzyna Woniak – Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quellen:
· Personalakte von Stanisław Barański, in: Instytut Pamięci Narodowej Warszawa, Sign. IPN GK 629/71 (Bestand: Gestapo Zichenau)
· Stanisław liski, Marian Przedpełski, Jadwiga Siedlecka, Stefan Zaleski, Słownik strat osobowych gminy Bieżuń w latach 1939-1947, Bieżuń 1993, S. 59.