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Dina de Leve-Cohen 1919 - 1945 Bearbeiten

Geboren 16.10.1919 in Groningen
Gestorben 20.3.1945 in Mauthausen

Biografie

Die holländische Jüdin Dina (Dineke) de Leve wurde am 16. Oktober 1919 im niederländischen Groningen geboren. Sie war die Tochter von Simon Cohen und Amalia Hemelrijk. Dineke war Krankenschwester von Beruf. Vor dem Krieg lebte sie in Amsterdam und hatte sich während des Krieges mit ihrem Ehemann Dirk Frederik zunächst in Den Haag niedergelassen und später in Rotterdam versteckt. Im Sommer 1944 wurde sie mit ihm über das Lager Westerbork nach Theresienstadt deportiert. Per Zug wurde Dina am 1. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz abtransportiert. Nach überstandener Selektion und Unterbringung im Durchgangslager wurde sie zur Zwangsarbeit für die Arado-Flugzeugwerke im sächsischen Freiberg ausgewählt. Ihre Häftlingsnummer im KZ Flossenbürg, zu dem das Außenlager Freiberg gehörte, war 54378. Hier arbeitete sie bis zum 14. April 1945 für die deutsche Rüstungsindustrie und wurde dann mit Bahntransport ins KZ Mauthausen evakuiert. Über die Aufnahmeprozedur in Mauthausen am 29. April 1945 schreibt ihre Lagerkameradin Lisa Scheuer in ihrer Autobiografie:

„Schließlich kam der Befehl, uns komplett auszuziehen. Alle Lumpen, die wir noch am Leib hatten, mussten wir ablegen und standen weiter stundenlang, jetzt vollkommen nackt, auf dem Betonplatz [...] Endlich gab die Lagerleitung, wie es schien, auf und ließ uns in das berüchtigte Zigeunerlager von Mauthausen bringen. [...] Zwei kranke Frauen, die wir aus Freiberg in dem Krankenwaggon und nachher auf dem Pritschenwagen mitgebracht hatten, starben noch auf dem Appellplatz. Wir merkten erst, als wir aufgefordert wurden loszumarschieren, dass sie tot waren: eine junge Holländerin und eine ältere Tschechin. Wir mussten sie liegen lassen, konnten sie nicht in das Zigeunerlager mitnehmen. Das einzige, was wir tun konnten, war, schnell ein Totengebet zu sprechen und weiterzugehen.“[1] 

Bei der erwähnten jungen Holländerin muss es sich nach dem Ausschlussverfahren[2] und dokumentarischen Indizien um Dina de Leve handeln, die somit am 29. April 1945 in Mauthausen ums Leben kam. Ihrem überlebenden Ehemann Dirk, späterer israelischer Staatsbürger, scheint allerdings Zeit seines Lebens kein konkretes, oder aber ein falsches Sterbedatum vorgelegen zu haben. Laut seinem Gedenkblatt[3] von 1985 für seine 1945 in Mauthausen verstorbene Frau sei die Information über Dinekes Tod an das niederländische Rote Kreuz von einer holländischen Jüdin übermittelt worden, die überlebte und diese sterben sah. Ihm war zu diesem Zeitpunkt (wahrscheinlich aus selber Quelle) auch bekannt, dass seine Frau von Auschwitz nach „Friburg“[4] [sic] deportiert worden war.

1992 gab Bernice Sherbaw, die spätere Ehefrau von Dirk de Leve, mittels Gedenkblatt[5] aus den USA den Todeszeitpunkt Dinekes mit dem 20. März 1945 an. Dieses Datum lässt sich auch in Unterlagen der Nederlandse Oorlogsgravenstichting[6] und im Denkmalpark der Gedenkstätte Mauthausen auf dem Monument für die niederländischen Todesopfer wiederfinden. Das Datum ist aber wenig plausibel. Zu diesem Zeitpunkt war der Transport aus Freiberg noch gar nicht in Mauthausen eingetroffen. Als Todesursache wird in diesem späteren Gedenkblatt aber „Froze to Death“ (Erfroren) angegeben. Das passt zu den Schilderungen Scheuers zu dem nackten Appellstehen Ende April. Dineke de Leve dürfte also am 29. April 1945 beim Appell der Aufnahmeprozedur in Mauthausen ums Leben gekommen sein.

Pascal Cziborra

Pascal Cziborra ist Bielefelder Autor und Historiker mit den Forschungsschwerpunkten KZ Flossenbürg und Frauen im Holocaust. 1981 in Chemnitz geboren, 1987 Ausreise in die BRD, 2006 Magister Artium an der Universität Bielefeld. Diverse belletristische und wissenschaftliche Publikationen seit 2001.



[1] Lisa Scheuer: Vom Tode, der nicht stattfand (Aachen 1998). S. 111f. Zum Werk vgl. Pascal Cziborra: KZ Freiberg, Geheime Schwangerschaft (Bielefeld 2008), S. 101.

[2] Vgl. Häftlingsliste in: Pascal Cziborra: KZ Freiberg. Der verschleppte Tod (Bielefeld 2008).

[3] Yad Vashem, Page of Testimony, Item ID 1869280, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer.

[4] Gemeint ist das Außenlager Freiberg.

[5] Yad Vashem, Page of Testimony, Item ID 193151, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer.

[6] Vgl. www.ogs.nl.

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