Annunziato Pittari 1895 - 1945 Bearbeiten
Geboren 10.5.1895 in Patti
Gestorben 8.1.1945 in Melk
Biografie
Annonciation Pittari (oder auch Annunziato Pittari) wurde am 10. Mai 1895 in Patti in Sizilien, Italien als Sohn von Joseph Pittari und Anne Rubino geboren. Er hatte zehn Brüder und Schwestern.
Dort lernte er Rose Puliafito (geboren am 31. Mai 1898) kennen. Sie war die Tochter eines Landwirts aus Patti und war selbst als Schneiderin beschäftigt. Die beiden heirateten am 27. Dezember 1919 und bekamen am 7. Dezember 1924 eine Tochter namens Juliette Victoria.
Annonciation kämpfte im Ersten Weltkrieg im 37. Artillerieregiment der italienischen Armee und wurde dafür 1919 mit La Croix du Mérite de Guerre, dem Kriegsverdienstkreuz, ausgezeichnet.
Er wanderte mit Rose dann nach Frankreich aus und beantragte die französische Staatsbürgerschaft, die er 1927 erhielt. Er lebte in Vallauris an der Côte d'Azur im Süden Frankreichs. Annonciation arbeitete dort als Parfümeur und als Bäcker.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Annonciation, seiner Frau und seiner Tochter die französische Staatsbürgerschaft entzogen. Der Grund dafür war, dass Annonciation sich stark in der kommunistischen Partei von Vallauris engagierte.
Ab 1940 besetzten die Nationalsozialisten große Teile Frankreichs und begannen insbesondere politische Gegner zu verfolgen. Damit war auch Annonciation in großer Gefahr.
Schließlich wurde er als Funktionär in der kommunistischen Partei verraten und am 12. Dezember 1941 durch die französische Polizei verhaftet, die ihn nach Antibes brachte. Annonciation war dort bis Februar 1942 in der Caserne Gazan untergebracht.
Zu diesem Zeitpunkt wurde er in das Internierungslager Camp du Vernet-d’Ariège überstellt. Nach über zwei Jahren Inhaftierung dort landete er im Juni 1944 im Sammellager Compiègne.
Am 9. August 1944 fuhr dort der Zug ab, der Annonciation und seine Mithäftlinge in das KZ Dachau deportieren sollte. Dieser Zug wurde auch Geisterzug genannt, weil es drei Wochen dauerte, bis er sein Ziel erreichte. Denn zu diesem Zeitpunkt waren durch den Krieg und den Widerstand gegen das Nazi-Regime in Frankreich (résistance) bereits zahlreiche Gleisanlagen zerstört. Die Nazis ließen die Häftlinge kilometerweit zu Fuß gehen, um die Gleise zu umgehen.
Am 28. August 1944 kam Annonciation im KZ Dachau an. Er wurde als „Schutzhäftling“ italienischer Nationalität registriert.
„Schutzhäftlinge“ oder „politische“ Häftlinge waren prinzipiell Personen, die aufgrund ihrer politischen Einstellung von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Jedoch waren die Haftkategorien reine Zuschreibungen der SS und signalisieren nicht zwangsläufig den wahren Grund der Inhaftierung in einem Konzentrationslager.
Annonciation wurde am 14. September 1944 weiter in das KZ Mauthausen überstellt.
Bereits eine Woche später gelangte er in das KZ-Außenlager Melk, wo er als „Hilfsarbeiter“ beim Projekt „Quarz“ eingesetzt war. Er musste daher unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeit beim Bau der unterirdischen Stollenanlage in den Wachberg bei Roggendorf in der Nähe von Melk leisten.
Wie tausende weitere Häftlinge überlebte Annonciation die Lebensbedingungen im KZ Melk und die miserablen Konditionen bei der Arbeit nicht.
Annonciation Pittari starb am 8. Januar 1945 im Alter von 49 Jahren. Seine offizielle Todesursache lautete „akute Herzschwäche“. Die offiziellen Todesursachen verschleierten aber die wahren Hintergründe: prinzipiell kamen die meisten Häftlinge im KZ Melk wegen der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben.
Rose Pittari blieb ihr Leben lang in Vallauris. Sie arbeitete in Schulen und auch als Reinigungskraft in Privathaushalten. Bis zu ihrem Tod lebte sie bei ihrer Tochter Juliette, deren Mann und ihrem Enkel Alain Bigi.
1946 erhielt Rose von einem Freund einen Brief, der ihr eine Nachricht von einem Mithäftling von Annonciation aus Melk übermittelte:
„Gegen Anfang Dezember 1944 war er in einem Zustand extremer Müdigkeit und weil er an seiner Arbeitsstelle uriniert hatte, weil er kraftlos war, erhielt er eine disziplinarische Strafe, und seine Arbeit war für ihn dann viel schwieriger.
Nachdem er ihn ein oder zwei Tage nicht gesehen hatte, erfuhr er von einem anderen Gefangenen, dass sein Kamerad Pittari ins Krankenhaus gebracht worden war, aber als er dort hinkam, hatte dieser sein Leben schon verloren […]. Das ist alles, was ich Ihnen über den Tod ihres Mannes sagen kann.“
Jener Mithäftling war Dominique Draperie (geboren 1911 in Vallauris). Er erzählte:
„Ich kannte Pittari Anonnciation seit ich mit ihm ins Lager Melk (Österreich) deportiert worden war. Dieser Kamerad erklärte mir die Gründe seiner Deportation. Als Sekretär des Syndikats von Vallauris, Alpes-Maritimes, wurde er von der französischen Polizei festgenommen und dann den Deutschen übergeben. Von dort kam er in ein Konzentrationslager an der spanischen Grenze. Wegen des Vormarsches der Alliierten wurde er nach Österreich in das Lager Melk gebracht. Wir arbeiteten gemeinsam in dem Lager am Bau eines Tunnels. Er starb am 8. Januar 1945 an den Schlägen, die er erhalten hatte, und an einer doppelseitigen Lungenentzündung.“
Christina Kandler (2025), Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk
Quellen:
Internationaler Suchdienst, Arolsen Archives, Einträge für Annunziato Pittari, online unter: <https://collections.arolsen-archives.org/de/search> (8.10.2022).
United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust Survivors and Victims Database, Einträge für Annunziato Pittari, online unter: <https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php> [Zugriff: 8.10.2022].
Informationen von Annonciations Enkelsohn Alain Bigi (Juli bis Oktober 2022).
Ministère des armées, Chemins de mémoire, Internierungslager Vernet-d’Ariège, online unter: <https://www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/internierungslager-vernet-dariege> [Zugriff: 8.10.2022].
Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.