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Georges Malère 1904 - 1945 Bearbeiten

Geboren 13.11.1904 in Cluny
Gestorben 21.3.1945 in Mauthausen

Biografie

Georges Denis Louis Malère wurde am 13. November 1904 in Cluny geboren. Sein Vater Henri (1875 – 1954) war Stallknecht und seine Mutter Lucie (geb. Siraud) Schneiderin. Georges erhielt sein Schulabgangszeugnis am 18. Juni 1917 und trat anschließend in die Gemeindeschule Boufarick (Departement Alger) ein. Der Umzug von Cluny nach Algier führte zu starken Veränderungen im Leben des jugendlichen Georges! Die Familie Malère wohnte in der Rue Porte des Prés. Im Oktober 1918 trat Georges in die höhere Lehranstalt La Prat’s in Cluny ein; Adolphe Gallimardet, Antoine Moreau und Maurice Pagenel waren seine Klassenkameraden.

Georges Malère schloss dort eine Spenglerausbildung ab und leitete später das Gaswerk von Cluny. Jeanine Georges, die Tochter von André Belot, beschrieb ihn als einen Mann, der eine sehr herzliche Beziehung zu seinen Angestellten hatte. 1927 heiratete Georges Marie-Hélène Fevre, die aus Donzy-le-National stammte. Anlässlich der Hochzeit wurden laut Presseberichten 105 Francs gesammelt, der Betrag wurde Schulen und Wohltätigkeitszwecken zur Verfügung gestellt. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, der Sohn heiratete Marthe, die Tochter des Résistance-Kämpfers Jean Renaud.

Georges war sehr sportlich, er war Mitglied des Schützenvereins an und traf sich oft mit seinen Freunden zum Boulespielen.

Die Résistance „ohne Angeberei“: Winter 1942

Die Widerstandskämpfer Malère, Moreau und Martin werden in zwei Büchern angeführt: Le pire c’est que c’était vrai, das 2005 veröffentlicht wurde, und das Buch von Jean Martinerie: Éléments pour une approche historique de la résistance en Clunysois et lieux circonvoisins. Merkwürdigerweise werden sie jedoch in den Büchern von André Jeannet, die sich alle mit demselben Thema befassen (insbesondere das Werk Mémorial de la Résistance en Saône-et-Loire), mit keinem Wort erwähnt. Dasselbe gilt für die meisten Widerstandskämpfer von Cluny, unabhängig davon, ob sie zwischen dem 14. und 17. Februar verhaftet worden waren oder nicht.

Wurden sie vom Historiker absichtlich vergessen?

Die Freundschaften, die im unteren Stadtteil geknüpft worden waren, bestanden fort. Und als Jean Renaud, ein Widerstandskämpfer der ersten Stunde, im Herbst oder Winter 1942 eine erste Sechsergruppe in Cluny auf die Beine stellte, waren George Malère, Claude Moreau und Antoine Martin dabei.

Die Verhaftungswelle vom 14. Februar 1944

Am Abend des 13. Februars waren die Schüler der Arts-et-Métiers-Hochschule im Hôtel Beaufort zu einem Bankett geladen. Gleichzeitig hatten die Bürger, die im Laufe des Jahres 1944 einen runden Geburtstag feierten, in Les Cras einen illegalen Ball veranstaltet. Als die letzten Gäste gegen fünf Uhr morgens den Heimweg antraten, schneite es, und ein eisiger Wind fegte durch die Stadt. Es wurde ihnen schnell klar, dass die deutschen Truppen die Stadt besetzt hatten: Niemand durfte auf der Straße unterwegs sein, die Bevölkerung war angehalten, zu Hause zu bleiben, die Post war besetzt, die Gendarmerie dienstverpflichtet und die Kreuzungen überwacht. Die Soldaten gingen nach einer Liste vor und wurden von einem Feldwebel angeführt, der zuvor die Schule im Park der Abtei besetzt hatte und die Stadt daher gut kannte.

Die Truppe durchkämmte die Stadt und suchte alle Adressen der örtlichen Widerstandskämpfer auf, deren Verbindung zu Jean Renaud bekannt war, der wiederum für das Tiburce-Buckmaster-Netzwerk arbeitete. Die Widerstandskämpfer der Gruppe F.T.P. (Gruppe Doridon) schien hingegen nicht betroffen zu sein. Insgesamt wurden vom 14. bis 17. Februar dreiundsiebzig Personen von Cluny aus deportiert, ob sie der Résistance angehörten oder nicht.

Dank der Archive weiß man heute, dass die Widerstandskämpfer von Cluny mit dem bevorstehenden Einsatz der Sipo-SD gerechnet hatten. Dennoch waren am 14. Februar alle Männer zu Hause. Einzig G. Malère und der Präfekt Golliard waren wohl etwas misstrauischer: Am Vortag der Massenverhaftung versteckte der Direktor des Gaswerks die Waffen in den unterirdischen Gängen der Abtei; laut Colette Fèvre war er über die bevorstehenden Hausdurchsuchungen informiert worden. Gemäß den Zeugenaussagen im Buch „Le pire c’est que c’était vrai“ wurden nur wenige Häuser durchsucht. Betroffen waren das Hotel Beaufort, wo auf dem Dachboden zwei englische Fliegeruniformen gefunden wurden, die Gasfabrik und in geringerem Maße die Häuser von Cugnet, Lardy und Burdin.

Die Truppen wussten also genau, worauf sie die Durchsuchungen konzentrieren sollten: Das Haus der Familie Malère und die Geschäftsräume des Gaswerkes gehörten dazu. Warum? Georges Malère wurde möglicherweise denunziert. Die Widerstandskämpfer versammelten sich oft bei ihm: Colette Fèvre ist davon überzeugt, dass sich ein Verräter an einem der Abende vor dem 14. Februar eingeschlichen hatte. Hatte dieser auch die Angestellten des Gaswerkes verraten? André Belot (1904-1944), Jean Lardy (1898-1944) und Jean-Louis Grandjean (1890-1944) wurden ebenfalls verhaftet und deportiert.

Wie bereits erwähnt, wurden die Waffen aus dem Gaswerk entfernt, aber Kondensmilchdosen waren dort verblieben. Die Soldaten haben einige davon geöffnet, wurden aber nicht fündig, obwohl Munition darin versteckt war. Wir erinnern an dieser Stelle an einen Brief, den Marie-Louise Zimberlin im April 1942 an ihre Schwester geschrieben hatte, und in dem die Rede von Milchdosen war, die von Cluny nach Avignon geschickt worden waren. Unter dem Vorwand, Hausfrauenratschläge weiterzugeben, schrieb sie: „Sag der Dame, die in der Rue du Cour Coin (?) wohnt, dass sie das für ihr Baby bestimmte amerikanische Milchpulver in fest verschlossenen Blechdosen aufbewahren soll. Wenn die Gebrauchsanweisung auf der Dose übersetzt wurde, soll sie diese genau einhalten. Wenn nicht, wird folgende Dosierung empfohlen: 7 gestrichene Esslöffel auf einen Liter kaltes Wasser. Das Pulver muss auf die Wasseroberfläche gestreut und anschließend mit einer Gabel mit dem Wasser vermengt werden. Ein gestrichener Esslöffel reicht für 1 Frühstücksschale. Wird das Milchpulver zum Kochen verwendet, muss man es mit Mehl, Gries oder was auch immer vermengen, in Zeiten wie diesen ist das alles unglaublich kostbar."

Colette Fevre erzählte auch, dass die Deutschen eine mit Kohle gefüllte Schubkarre außer Acht gelassen hatten, in der ein Funkgerät versteckt war.

Matrikelnummer 60129

Nachdem Georges Malère zunächst im Gefängnis Montluc und dann im Lager von Compiègne interniert war, wurde er mit dem Konvoi vom 22. März 1944 nach Mauthausen deportiert.

Im Zug traf er einige Freunde aus Cluny wieder: Jean Alix, Gustave Arpin, François Baury, Albert und Baptiste Beaufort, André Belot, Jean Bonat, Théophile Chevillon, Claude Moreau, Antoine Martin …

Drei Tage später erreichten Georges und seine Leidensgenossen Mauthausen. Am 9. Mai 1944 wurde er nach Gusen gebracht, am 1. März 1945 wurde er ins Zentrallager überstellt. Dort starb er am 21. März 1945, ein Jahr nach seiner Ankunft.

Nach dem Krieg berichtete Albert Browne-Bartoli „Tiburce“ über seine Aktivitäten in und rund um Cluny. Was die Aktion der Sipo-SD vom Februar 1944 betrifft, gab er an, darüber informiert worden zu sein und nur einen Mann verloren hatte: Georges Malère: „Fortunately, (…) and only Georges Malère was there to be arrested“.

Daraus geht hervor, dass Georges Malère tatsächlich ab September 1942 der Stellvertreter von Jean Renaud war. Ebenso wies J. Marchand, der Liquidator des Tiburce Buckmaster-Netzwerks, darauf hin, dass G. Malère vom 25. Juni 1943 bis zu seiner Verhaftung P.2-Agent des in der Region Roanne von Robert Lyon geleiteten Acolyte-Netzwerks war. Diesbezüglich verfügen wir über keinerlei Informationen.

 

Das Andenken an G. Malère wurde in Cluny geehrt: An der Stelle, wo früher das alte Gaswerk stand, wurde eine Gedenktafel angebracht. Außerdem wurde eine Straße in der Nähe des Hotels Saint-Odilon nach ihm benannt. Nichtsdestotrotz, wie wir es bereits erwähnt hatten, wurde die Gedenktafel entweder niemals angebracht oder entfernt. Dieser Hinweis ist für die Bürgervertreter von Cluny bestimmt …

 

Chantal Clergue

Chantal Clergue ist promovierte Historikerin (spezialisiert auf Sonderschulunterricht im 19. Jahrhundert) und arbeitet an einer Schule. Sie interessiert sich auch für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und insbesondere für den Bereich Cluny, Mâcon, Lyon. Hauptthemen ihrer Forschung: Widerstand, Doppelagenten, versteckte jüdische Familien.

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