Pavel Lewith 1911 - 1941 Bearbeiten
Geboren 24.12.1911 in Náchod
Gestorben 26.11.1941 in Mauthausen
Biografie
Das Feuer im Treibstofflager Welzel brach in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1941 gegenüber dem Bahnhof in Náchod aus. Es folgte eine Verhaftung unschuldiger Menschen, da das Feuer als Sabotageakt qualifiziert wurde. Auch später wurde nicht nachgewiesen, wer es gelegt hatte. Insgesamt wurden aus Náchod am 9. September 1941 71 Personen in die Kleine Festung Terezín (Theresienstadt) gebracht, darunter 31 Juden; bei diesen 71 Personen sind die Besitzer des Lagers Karel und František Welzel, die separat verhört wurden, nicht mit eingerechnet. Zusammen mit 29 verhafteten Bürgern aus Úpice (Eipel) bildeten sie die von der Gestapo verlangten einhundert Geiseln. Ein Teil von ihnen wurde zu Beginn des 1. Standrechts nach dem Amtsantritt von Reinhard Heydrich (Anfang Oktober 1941) in das KZ Mauthausen verschleppt, von diesen kehrte Ende des Jahres 1942 ein einziger zurück - Hubert Rokoš, der Sohn des gleichnamigen Eigentümers des Bahnhofsrestaurants in Náchod. Nach den bisher ermittelten Informationen wurden im KZ Mauthausen elf Bürger Náchods zu Tode gefoltert, einschließlich des Eigentümers des Treibstofflagers, Karl Welzel. In der Kleinen Festung Terezín (Theresienstadt) kam ein Bürger aus Úpice (Eipel) um. Die übrigen wurden nach 2 Monaten am 31. Oktober 1941 entlassen und kehrten nach Hause zurück.
Pavel Lewith entstammte einer bekannten Náchoder jüdischen Familie, die sich mit der Herstellung von Spirituosen beschäftigte. Ihre Mitglieder machten sich auch um die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens der Stadt verdient. Sein Großvater Jonáš Lewith (1842-1928) gehörte zu den Gründern des Sportvereins Sokol Náchod. Er wirkte über 40 Jahre in der Stadtvertretung und war in jüdischen Vereinen tätig. Sein Vater Josef Lewith (1876-1936) stellte ebenfalls Spirituosen her und handelte mit Wein. Seine Mutter Olga, geb. Mayová (1883-1944) kam im Ghetto Terezín (Theresienstadt) ums Leben. Er hatte zwei Brüder František (1906) und Jiří (1919), die von den Nationalsozialisten eingekerkert wurden, aber es gelang ihnen, zu überleben und in Terezín (Theresienstadt) die Befreiung zu erwarten. Jiří starb jedoch im Dezember 1946 an den Folgen der Misshandlungen. František kehrte nach Náchod zurück. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1948 wurde er erneut eingesperrt, so emigrierte er bei der nächsten Gelegenheit zusammen mit seiner Ehefrau. Seine Nachkommen leben in England.
Pavel Lewith handelte vor der Okkupation der Nationalsozialisten mit Gummiwaren. Auf Befehl der Gestapo wurde er zusammen mit seinem Bruder Jiří und weiteren Einwohnern Náchods nach dem Brand im Treibstofflager Welzel in Náchod verhaftet und am 31. August 1941 als Geisel in Haft genommen. Ab dem 09. September 1941 wurde er in der Kleinen Festung Terezín (Theresienstadt) gefangen gehalten. Wahrscheinlich nach einem Monat wurde er in das KZ Mauthausen transportiert, wo er am 21. Oktober 1941 (Jan Šimáně) oder am 26. November 1941 (Leo Strass) umkam.
Alena Čtvrtečková
Alena Čtvrtečková forscht und publiziert zur jüdischen Verfolgung in Náchod (Tschechische Republik)
Quellen:
SOkA Náchod, Lidové proudy (Menschenströme) Nr. 14, 05.04.1928, S. 3 – Nachruf auf Jonáš Lewith.
Theresienstädter Gedenkbuch, S. 202 (František L.), 1082 (Olga L.), 1086 (Jiří L.).
SOA Zámrsk, Albert Hardtke Ls 33/47, Blätter 82 (Pavel L.) und 102 (Jiří L.).
Im Nachlass von Leo Strass wurde ein Foto von Pavel Lewith aufbewahrt, auf dessen Rückseite L. Strass das Todesdatum 26. November 1941 schrieb.
Šimáně, Jan: Je tady Gestapo! (Hier ist die Gestapo!) (Náchod 1938-1945), Červený Kostelec (Rothkosteletz) 1946, S. 188 – hier ist als Todesdatum von Pavel L. der 21.10.1941 angegeben.