Stanisław Kolka 1920 - 1940 Bearbeiten
Geboren 15.11.1920 in Danzig / Gdańsk
Gestorben 24.12.1940 in Gusen
Biografie
Stanislaw Kolka SVD wurde am 15. November 1920 in Danzig geboren und starb am 24. Dezember 1940 im KZ Gusen (I). Nach seiner Kindheit in Sierakowice besuchte Stanislaw Kolka seit 1931 das Kleine Seminar der Steyler Missionare in Gorna Grupa und begann 1939 sein Noviziat im Missionshaus St. Stanislaus in Chludowo und wurde am 25. Jänner 1940 dort interniert. Wie viele seiner Studienkollegen wurde er am 22. Mai 1940 verhaftet und über das Fort VII in Poznan und das KZ Dachau in das KZ Gusen (I) deportiert, wo er am 2. August 1940 eintraf und die Häftlingsnummer 6456 erhielt. Er starb mit nur 20 Jahren am 24. Dezember 1940 im KZ Gusen (I) wohl durch die harte Arbeit beim Lageraufbau an Erschöpfung. Am 23. August 2008 wurde er zusammen mit 122 anderen polnischen Geistlichen in einem noch laufenden Seligsprechungsverfahren mit dem Titel „Diener Gottes“ geehrt.
Rudolf A. Haunschmied, Gedenkdienstkomitee Gusen (www.gusen.org)
Rudolf A. Haunschmied, geboren und aufgewachsen in St. Georgen/Gusen, widmet sich schon seit frühester Jugend neben Ausbildung und Brotberuf der Erforschung der Geschichte des KZ-Komplexes Gusen I, II & III. Er ist Mitbegründer des Gedenkdienstkomitees Gusen (www.gusen.org) und setzt sich seit Jahren auch für die Erhaltung, den Denkmalschutz und die Einbeziehung einzelner noch verbliebener baulicher Reste der Lager von Gusen in eine Erinnerungslandschaft „St. Georgen-Gusen-Mauthausen“ ein.
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Stanisław Robert Kolka, Novize der Missionare des Göttlichen Wortes
Geboren am 15. November 1920 in Gdańsk. Aufgrund ihrer Krankheit befürchtete seine Mutter Komplikationen bei der Geburt, zudem war die Klinik weit von Gdańsk entfernt (es war Winter). Bereits im mütterlichen Leib wurde er der göttlichen Vorsehung anvertraut. Zum Glück verlief die Geburt erfolgreich, und das Kind kam gesund auf die Welt. Der Vater war Tischler. Mit fünf Jahren wollte Stanisław in die Schule gehen, obwohl sein Lehrer der Meinung war, dass er mit dem Lernen nicht zurechtkommen und ihm die Lust bald vergehen würde. Doch das Gegenteil war der Fall: Er war ein sehr talentierter Schüler.
Stanisław wuchs in einer frommen Familie auf. Dort entstanden sein Glaube und der Wille, sein Leben Gott zu widmen. Seine Eltern waren ihm ein Vorbild an Arbeitsamkeit und Sorgfalt im Leben. Er setzte große Hoffnung in die Heilige Mutter Gottes, weshalb er von klein auf den Rosenkranz betete und an den samstäglichen Marienfeiern teilnahm. Er war auch ein eifriger Ministrant. So näherte er sich Gott, dessen Präsenz er im Altarsakrament entdeckte. Er glaubte, dass die Eucharistie eine großartige Quelle unschätzbaren Danks ist, wodurch er die Schikanen und die unangenehmen Streiche seiner älteren Kameraden aufgrund seines ruhigen, phlegmatischen Charakters geduldig ertrug. Er ertrug dies mit Bescheidenheit, denn er hatte ein Ziel vor Augen: Die Erfüllung seiner religiösen und missionarischen Berufung. Er war bereit, alles aufzugeben, sogar auf seine Familie zu verzichten, sich seinem Vater zu widersetzen, der ihn aus dem Noviziat holen wollte, um ihn vor Verfolgung zu schützen.
Während der Missionstätigkeit der Steyler Missionare in Sierakowice, sowie auch durch die Überzeugungsarbeit von Bruder Augustyn Nadolski SVD, schloss sich Stanisław dieser Gemeinschaft an. 1931 trat er in das Knabenseminar in Górna Grupa ein, und 1939 bestand er die Matura mit sehr guter Note. Am 29. August kam er ins Missionshaus St. Stanislaus Kostka in Chludowo, um sein Noviziat anzutreten.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 ereilte Stanisław während seines Noviziats in Chludowo. Dort sollte er am 8. September eingekleidet werden und sein Noviziat beginnen. In der Zwischenzeit ordneten die lokalen Behörden am 4. September die sofortige Evakuierung nach Warschau an. Doch als der sowjetische Angriff auf Polen die Kunde machte, kehrte Stanisław vier Wochen später mit einer Flüchtlingsgruppe nach Chludowo zurück. Bei seiner Rückkehr am 5. Oktober beschlossen die Oberen, das Noviziat unter der Leitung von Pater Ludwik Mzyk aufzunehmen.
Doch kurz danach führten die deutschen Behörden eine Zwangsregistrierung aller Bewohner*innen von Chludowo durch. Stanisław bekannte sich als Katholik und polnischer Staatsbürger, wodurch seine spätere Inhaftierung in einem Konzentrationslager beschieden war. Von da an durfte er sich nicht mehr frei bewegen und musste einen Passierschein einholen. Die ausstellende Person, von der Gestapo ernannt, kontrollierte auch die Bewegungen im Haus: die Ankunft Fremder im Kloster und die Gespräche mit den Bewohnern. Zudem wurde die Gemeinde oft vom SS-Offizier Franz Wolf aufgesucht, der das Kloster überwachte.
Trotz des Ernstes der Lage, da die in Chludowo zurückgebliebenen Novizen einer großen Gefahr ausgesetzt waren, und trotz der nachdrücklichen Aufforderung seiner Mutter, nach Hause zurückzukehren, beschloss er, das Noviziat fortzusetzen. Er behauptete, dass er Gott dargeboten worden sei und sein Leben daher in Gottes Händen liege.
Am 25. Jänner 1940 wurden alle Bewohner des Missionshauses interniert, zudem wurden 40 Priester aus Poznań und Umgebung dorthin gebracht. Am selben Tag verhaftete die Gestapo den Novizenmeister Pater Ludwik Mzyk SVD, der später im Fort VII in Poznań ermordet wurde. Dieses Ereignis begleitete Stanisław auf allen Etappen seines Wegs zum Martyrium und half ihm, die Verfolgung zu ertragen. Obwohl die Internierten unter widrigsten Bedingungen und in einer katastrophalen Ernährungs- und finanziellen Lage lebten, wurde das Novizenprogramm ohne erhebliche Veränderungen fortgesetzt.
Am 22. Mai 1940 – am Vortag von Fronleichnam – wurden Stanisław und seine Ordensbrüder ins Fort VII in Poznań und von dort über Nacht in Viehwaggons in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort bekam er die Nummer 11093 zugewiesen. Nach seiner Ankunft im Lager begann eine zweimonatige Quarantäne voller Strafübungen, unendlicher Stunden Appell, unmenschlicher „Sportübungen“, Deutschlernens und Schmähgesänge. Das einzige Ziel war es, die Häftlinge zu brechen und sie ihrer Menschenwürde zu berauben.
Am 2. August 1940 erfolgte ein Transport mit 1.000 polnischen Häftlingen, darunter 150 Geistliche, vom Konzentrationslager Dachau in das Konzentrationslager Gusen. Dort wurde Stanisław Kolka die Nummer 6456 zugewiesen. Da sich das Lager noch im Bau befand, waren die Lebensbedingungen schlimmer als in Dachau. Bei Regen drang das Wasser in die Baracken ein, und die Kleidung war fast immer feucht, was die Hygiene erschwerte. Zudem war die Arbeit sehr hart und das Essen unzureichend.
Von Anfang an war die Absicht die Ausrottung der polnischen Intelligenzia und Geistlichkeit. Die SS-Männer, die den Bau des Lagers beaufsichtigten, nannten es „Vernichtungslager für die polnische Intelligenz“. In Gusen war der einzig mögliche Ausgang über den Schornstein des Krematoriums – so teilte es der Lagerkommandant den neuangekommenen Häftlingen mit.
Hier arbeitete der Novize Kolka im Steinbruch beim Schleppen von Steinen, mit denen anschließend die Straßen und der Appellplatz im Lager gepflastert wurden.
Sein Gebetseifer, der ihn seit seiner Kindheit begleitete, half ihm, sogar die schwierigsten Prüfungen im Konzentrationslager zu überstehen. Durch sein Vertrauen überwand er die Angst und die Verzweiflung, der viele Menschen in den Grauen des Krieges zum Opfer fielen.
„Gott ist mit mir, ich fürchte mich vor nichts. Ich fürchte nur eines, dass sich die anderen meinetwegen Sorgen machen. Und sie haben keinen Grund dazu. Wenn Gott für uns sorgt, kann nichts Schlimmes passieren! […] Glaubt mehr an Gott als an die Menschen!“
Mit diesem Glauben kam er bis an den Lagerzaun. Dort hielt er nicht nur die Hoffnung unter seinen Mithäftlingen aufrecht, sondern steckte sie auch an, indem er ihnen seine große Kraft und seinen großen Mut vermittelte, die ihn inmitten des Leids im Lager am Leben hielten. Seine Kameraden nannten ihn „St. Stanislaus Kostka“.
Aufgrund schwerer Arbeit, schlechter Ernährung, mangelnder Hygiene im Lager und zahlreicher Schikanen erkrankte Stanisław Kolka bald, was ihn zum tragischen Tod führte. Der Herr nahm ihn am Heiligen Abend, den 24. Dezember 1940 zu sich.
Der Priester Jan Chodzidło SVD, Ausbildner und spiritueller Leiter der Novizen in Chludowo während des Kriegs, sagte 1941 über alle Priester und Novizen, die damals in den Lagern Dachau und Gusen umkamen:
„Gott will die Welt erneuern und den Himmel mit Heiligen füllen. Daher sucht er reine, unschuldige, wertvolle, dem Lamm Gottes sehr ähnliche Opfer. Diese unschuldigen Lämmer sind unsere Priester. Sie wurden von Gott auserwählt, um ihm das Opfer ihres Lebens als Wiedergutmachung für die Sünden der Welt darzubieten und um Segen und Gnade zu bitten.“
Gerardo Rodríguez (2023)