Paul Matthes 1893 - 1943 Bearbeiten
Geboren 19.1.1893 in Saalfeld/Saale
Gestorben 17.1.1943 in Gusen
Biografie
Der 1893 in Saalfeld in Thüringen geborene Schlosser Paul Matthes lebte 1937 als geschiedener Mann in Jena im Löbdergraben 4.
1932 wurde er in Weimar nach §175 StGB zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt.
Am 22. April 1937 wurde er in Jena erneut wegen „widernatürlicher Unzucht“ nach §175a, Ziffer 3, StGB zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Zunächst transportierte man ihn in das Zuchthaus Untermaßfeld und im November 1937 in das Strafgefangenenlager Esterwegen und im Februar 1938 vorübergehend in das Emslandlager Brual-Rhede. Beim Zugang in Esterwegen wurde er beschrieben: 1,59 groß, graue Augen, blondes Haar. Ob er zu seinem rechnerischen Strafende im März 1939 noch in die Freiheit entlassen wurde ist nicht bekannt. Am 2. Dezember 1942 ging er dem KZ Mauthausen zu und erhielt als „Berufsverbrecher“ die Nummer 15.594 BV. Kurze Zeit darauf, am 17. Januar 1943, starb Paul Matthes im Außenlager Gusen im Alter von 49 Jahren angeblich an einer Nierenentzündung, tatsächlich aber doch wohl an den Strapazen der Haft und Zwangsarbeit und der Unterversorgung.
Rainer Hoffschildt, Hannover.
Rainer Hoffschildt wurde 1948 in Mecklenburg geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bis zur Pensionierung als Berater in einer Sozialbehörde in Hannover. 1980 begann er mit der Errichtung des Schwullesbischen Archivs Hannover. Publikationen, u. a.: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover (1992).
Quellen:
Karteikarte: Staatsarchiv Osnabrück Rep. 947 Lin I, Kartei Esterwegen. Akte: Staatsarchiv Osnabrück Rep. 947 Lin II Nr. 4482. Ich danke Christian-Alexander Wäldner, Weetzen, für zusätzliche Informationen. Karteikarten im Hauptregister des ITS in Bad Arolsen.