Geboren 6.11.1908 in Liberec Gestorben 9.5.1942 in Mauthausen
Biografie
Walter Schütz wurde am 15. November 1908 in Reichenberg (Liberec) in die jüdische Familie des Optikers Friedrich Salomon Schütz und seiner Frau Stefanie, geborene Kraus, geboren. Die Familie besaß das florierende Geschäft Optik Friedrich Schütz am Altstädterplatz 4, das älteste und bedeutendste seiner Art in Reichenberg.
Walter trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde nach seinem Studium diplomierter Augenarzt, tätig im Familienunternehmen. Er bekannte sich aktiv zu seiner jüdischen Herkunft – 1931 wurde er zum ersten Vorsitzenden des jüdischen Jugendverbandes Bund jüdische Jugend (Berit Hanoar) gewählt, der von Rabbiner Emil Hofmann gegründet worden war. Ziel des Vereins war es, die jüdische Identität der Jugend zu stärken und ihr Wissen über das Judentum zu vertiefen.
Im Jahr 1934 zog Walter nach Gablonz an der Neiße und heiratete am 25. Dezember desselben Jahres Olga Amoday, die aus einer jüdisch-kroatischen Familie stammte. Ihre Hochzeit fand in der Synagoge von Gablonz statt. 1937 wurde dem Ehepaar ein Kind geboren, das jedoch am Tag nach der Geburt verstarb.
Aufstieg des Nationalsozialismus und Verlust des Eigentums
Nach 1933 nahm der antisemitische Druck auch in Reichenberg zu. Die Lage verschärfte sich besonders nach der Annexion des Sudetenlandes 1938. Das Familiengeschäft wurde arisiert und kurz nach der Reichspogromnacht (November 1938) von der Gestapo beschlagnahmt. Zum Verwalter des jüdischen Vermögens wurde Paul Schmidt eingesetzt, ein Deutscher, der zuvor im Geschäft gearbeitet hatte. Walter und seine Familie mussten ins Landesinnere fliehen, nach Jungbunzlau (Mladá Boleslav), wo ein Großteil ihrer Verwandtschaft mütterlicherseits lebte.
Deportation und Tod in Mauthausen
Die genauen Umstände der Verhaftung von Walter Schütz sind unbekannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war er in Widerstandsaktivitäten verwickelt, was ihn ins Konzentrationslager Mauthausen brachte. Dieses Lager war der Kategorie III zugeordnet – für von den Nationalsozialisten als „unverbesserlich“ eingestufte Häftlinge. Die Gefangenen mussten hier schwere Zwangsarbeit in Steinbrüchen oder beim Lagerbau verrichten, was meist einem langsamen Todesurteil gleichkam.
Walter Schütz starb am 9. Mai 1942 im Alter von nur 34 Jahren in Mauthausen. Offizielle Dokumente geben als Todesursache „septische Angina“ (Tonsillitis) an. In Wirklichkeit dienten solche Diagnosen oft der Verschleierung von Morden oder Todesfällen infolge von Erschöpfung und unmenschlichen Bedingungen.
Das Schicksal seiner Frau Olga
Walters Ehefrau Olga Schütz wurde im Januar 1943 aus Jungbunzlau nach Theresienstadt deportiert und wenige Tage später weiter nach Auschwitz II – Birkenau, wo sich ihre Spur verliert. Mit großer Wahrscheinlichkeit fiel auch sie dem Holocaust zum Opfer.
Zusammenfassung
Walter Schütz war ein junger Augenarzt aus Reichenberg, der sich bewusst zu seiner jüdischen Identität bekannte und aktiv am Gemeindeleben teilnahm. Die nationalsozialistische Verfolgung beraubte ihn seines Familienunternehmens und seiner Heimat. 1942 kam er im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben. Seine Frau Olga überlebte die Deportation nach Auschwitz nicht. Ihr Schicksal wurde Teil der tragischen Vernichtung der jüdischen Gemeinde von Reichenberg und Umgebung.
Tereza Knoflíčková, Forscherin (2025)
Walter Schütz was born on 15 November 1908 in Liberec into the Jewish family of optician Friedrich Salomon Schütz and his wife Stefanie, née Kraus. The family owned the prosperous shop Optik Friedrich Schütz at Altstädterplatz 4, the oldest and most important of its kind in Liberec.
Following in his father’s footsteps, Walter became a certified ophthalmologist after his studies and worked in the family business. He actively identified with his Jewish heritage – in 1931 he became the first chairman of the Jewish youth association Bund jüdische Jugend (Berit Hanoar), founded by Rabbi Emil Hofmann. The association aimed to strengthen Jewish identity among young people and to deepen their knowledge of Judaism.
In 1934 Walter moved to Jablonec nad Nisou and on 25 December of the same year married Olga Amoday, the daughter of a Jewish-Croatian family. Their wedding took place in the synagogue of Jablonec. In 1937 the couple had a child, who, however, died one day after birth.
Rise of Nazism and loss of property
After 1933, antisemitic pressure increased in the border city of Liberec. The situation escalated especially after the annexation of the Sudetenland in 1938. The family’s optical shop was aryanized and shortly after Kristallnacht (November 1938) confiscated by the Gestapo. The administrator of the seized property was Paul Schmidt, a German who had previously worked in the business. Walter and his family had to flee inland, to Mladá Boleslav, where many of their maternal relatives lived.
Deportation and death in Mauthausen
The exact circumstances of Walter Schütz’s arrest remain unknown. It is highly probable that he was involved in resistance activities, which led to his imprisonment in the concentration camp Mauthausen. This camp was classified as Category III – for prisoners considered “incorrigible” by the Nazis. Prisoners there were forced into hard labor in quarries or construction, which often amounted to a slow death sentence.
Walter Schütz died in Mauthausen on 9 May 1942 at the age of only 34. Official records cite “septic tonsillitis” as the cause of death. In reality, such diagnoses often disguised murders or deaths caused by exhaustion and inhumane conditions.
The fate of his wife Olga
Walter’s wife, Olga Schütz, was deported from Mladá Boleslav to Terezín in January 1943 and a few days later further to Auschwitz II – Birkenau, where she vanished without a trace. She most likely became a victim of the Holocaust.
Summary
Walter Schütz was a young ophthalmologist from Liberec who actively embraced his Jewish identity and was engaged in the communal life of the local Jewish community. Nazi persecution deprived him of his family business and his home. In 1942 he perished in the concentration camp Mauthausen. His wife Olga did not survive deportation to Auschwitz. Their destinies became a tragic part of the annihilation of the Jewish community in Liberec and its surroundings.