Ignác Berkovics 1897 - 1944 Bearbeiten
Geboren 15.10.1897 in Nové Barovo / Novobarovo
Gestorben 21.11.1944 in Melk
Biografie
Ignác Berkovics wurde am 15. Oktober 1895 oder 1897 in Novobarovo / Újbárd in der heutigen Ukraine geboren.
Er lebte in Des im heutigen Rumänien und war dort als Taglöhner beschäftigt. Er heiratete Miriam Kieselstein / Kizenshtein (geb. 1900) und die beiden bekamen vier Kinder, Márton (geb. 1925), Adolf (geb. 1926), Aranka (geb. 1929) und Moric (geb. 1941). Auch seine Söhne Márton und Adolf arbeiteten als Taglöhner.
Im Frühjahr 1944 besetzten die Nationalsozialisten das damalig ungarische Gebiet ihrer Heimat und die antisemitische Gesetzgebung wurde stark verschärft.
Der Hauptteil der jüdischen Bevölkerung Ungarns wurde in Ghettos zwangsumgesiedelt, so auch die Familie Berkovics.
Alle jüdischen Familien der Umgebung, das waren über 7.000 Personen, mussten im Mai 1944 in den Bunjar-Wald bei Des marschieren und waren dort etwa eine Woche untergebracht. Das gesamte Areal war draußen, es gab keine Gebäude.
Kurz darauf begannen die Deportationen in die nationalsozialistischen Lager. Ignác wurde gemeinsam mit seiner Familie Anfang Juni 1944 in das KZ Auschwitz-Birkenau in Polen transportiert.
Bei der Ankunft wurde der Transport selektiert, das bedeutet, es wurde entschieden, ob die Angekommenen für die Zwangsarbeit und den Aufenthalt im Lager ausgewählt wurden, oder für den sofortigen Tod in der Gaskammer.
Ignács Frau Miriam wurde kurz nach ihrer Ankunft in der Gaskammer in Birkenau ermordet.
Über das Schicksal seiner Tochter Aranka und seines Sohnes Moric ist nichts bekannt. Vermutlich kamen sie ebenso in Auschwitz ums Leben.
Ignác und seine beiden Söhne Adolf und Márton wurden im KZ Auschwitz für die Zwangsarbeit ausgewählt und als „jüdische“ Häftlinge ungarischer Nationalität registriert.
Sie verbrachten nur wenige Tage in Auschwitz, bevor sie am 7. Juni 1944 in das KZ Mauthausen in Österreich überstellt wurden.
Auch in Mauthausen blieben Ignac, Adolf, und Márton nur eine Woche. Ignác wurde gemeinsam mit seinen Kindern am 13. Juni 1944 in das KZ-Außenlager Melk transportiert, wo die meisten Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeit beim Bau der unterirdischen Stollenanlage in den Wachberg bei Roggendorf in der Nähe von Melk leisten mussten. Es sind keine genauen Angaben zu Ignács Arbeitsposition in diesem Lager bekannt.
Am 8. Juli 1944 wurde das KZ Melk von amerikanischen Fliegern bombardiert. Vermutlich wusste die amerikanische Armee nicht, dass sich auf dem Areal, das bis Frühjahr 1944 als militärische Kaserne genutzt wurde, ein Konzentrationslager befand. Dabei wurden über 200 Häftlinge getötet und zahlreiche schwer verletzt, darunter auch Ignács Sohn Adolf, der in Folge in das Krankenrevier des KZ Mauthausen gebracht wurde.
Ignác und sein erster Sohn Márton blieben beide im KZ Melk.
Wie tausende weitere Häftlinge überlebte Ignác die Lebensbedingungen im KZ Melk und die miserablen Konditionen bei der Arbeit nicht. Ignác Berkovics starb am 21. November 1944 im Alter von 47 oder 49 Jahren. Seine offizielle Todesursache lautete „akute Herzschwäche“. Die offiziellen Todesursachen verschleierten aber die wahren Hintergründe: prinzipiell kamen die meisten Häftlinge im KZ Melk wegen der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben.
Vier Tage später kam auch sein Sohn Márton im KZ Melk ums Leben.
Von der Familie Berkovics überlebte einzig und allein Adolf seine Inhaftierung in den NS-Konzentrationslagern.
Christina Kandler, Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk
Quellen:
USC Shoah Foundation, Visual History Archive, Interview Code 27368 vom 26.3.1997.
Internationaler Suchdienst, Arolsen Archives, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/search (9.11.2022).
United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust Survivors and Victims Database, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php (9.11.2022).
Yad Vashem, Internationale Holocaust Gedenkstätte, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Einträge für Adolf Berkovics, online unter: https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de&advancedSearch=true&sln_value=Amaradzhi&sln_type=synonyms&sfn_value=Chana&sfn_type=synonyms (9.11.2022).
Yad Vashem, Internationale Holocaust Gedenkstätte, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de (9.11.2022).
Jewishgen.org, Martyrs of the town Dej, online unter: https://www.jewishgen.org/yizkor/dej/dej462.html (18.11.2022).
The Museum of the Holocaust in Northern Transylvania, The Concentration Camp of Dej, online unter: http://holocausttransilvania.ro/en/exhibits/show/ghetouri-si-lagare/ghetou-dej (18.11.2022).
Bertrand Perz: Das Projekt „Quarz“. Der Bau einer unterirdischen Fabrik durch Häftlinge des KZ Melk für die Steyr-Daimler-Puch AG 1944–1945. Innsbruck/Wien 2014.