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Reppen Frithjof Hjalmar 1893 - 1945 Bearbeiten

Geboren 1.11.1893 in İstanbul
Gestorben 5.4.1945 in Hinterbrühl

Biografie

Mit vertrauensvollem Lächeln und einem festen Händedruck sagten wir adieu und auf Wiedersehen in Norwegen. […] Mein guter Freund aus der illegalen [Arbeit – M.J.], Architekt Frithjof Reppen, blies schwere Machorka-Wolken aus seiner großen Pfeife, an welcher alle Lagernamen und Daten eingraviert waren. Es war eine reine Europakarte, er sagte: „Jetzt werden Du und ich gemeinsam die Pfeife ausrauchen, dann setzen wir das in kurzer Zeit in Oslo fort.“              

Mit diesen Worten beschreibt der norwegische Mauthausen-Häftling Waldemar Toivonen seine letzte Begegnung mit Frithjof Reppen. Diese fand statt, als die Gruppe der 74 norwegischen Häftlinge, die im Mitte September 1944 im Stammlager Mauthausen angekommen waren, auf verschiedene Außenlager des Lagerkomplexes aufgeteilt wurde. Das Kriegsende war aber im Herbst 1944 noch viel weiter weg, als Reppen hoffte, und er sollte dieses, wie über 40 der rund 130 norwegischen Häftlinge im KZ Mauthausen und seinen Außenlagern, nicht erleben.  

Während des Evakuierungsmarsches des Außenlagers Wien-Floridsdorf nach Mauthausen Anfang April 1945 hatte Reppen nicht die Kraft weiterzugehen, und er wurde von der Wachmannschaft erschossen. In den Akten des KZ Mauthausen wurde der 5. April 1945 als Todesdatum angegeben.       

Frithjof Reppen wurde am 1. November 1893 in Konstantinopel (ab 1923 İstanbul) geboren, wo sein Vater als Schiffsmakler und Generalkonsul wirkte. Von 1913 bis 1917 studierte Reppen an der Technischen Hochschule in Darmstadt, bevor er sich 1917 in Norwegen niederließ, um sein Studium bis 1919 an der Technischen Hochschule in Trondheim fortzusetzen. Nach Ende des Studiums arbeitete Reppen als Architekt in Oslo, wobei er vor allem für seine funktionalistischen Wohnblöcke im Stadtteil Majorstuen bekannt wurde. Reppen heiratete 1930 Liv Morterud, mit der er ein gemeinsames Kind bekam.

Am 9. April 1940 begann die deutsche Besetzung von Dänemark und Norwegen. Die danach legal erscheinenden Zeitungen in Norwegen wurden von der Besatzungsmacht und der norwegischen „ Nasjonal Samling“ (Nationale Versammlung) zensiert und als Propagandainstrument benutzt. Der daraus resultierende Informationsmangel führte zu einer großen Anzahl von illegalen Zeitungen, bei welchen Reppen mitwirkte. Laut der geheimen Lageberichte des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Norwegen wurde Frithjof Reppen Anfang Dezember 1941 festgenommen, da er zu den führenden Köpfen der Flugschrift Alt for Norge (Alles für Norwegen) gehörte.

Vom Dezember 1941 bis August 1942 saß Reppen im Osloer Gefängnis Møllergata 19, von wo er ins Polizeihäftlingslager Grini bei Oslo überstellt wurde. Ende September 1943 wurde Reppen als sogenannter „Nacht-und-Nebel“-Häftling ins KZ Natzweiler deportiert. Als die Front im Herbst 1944 näher rückte, wurden die Natzweiler-Häftlinge aus dem Stammlager evakuiert, und im Fall von Reppen über das KZ Dachau ins KZ Mauthausen gebracht.

Am Vestre Gravlund (Westlicher Friedhof) in Oslo hat die Familie von Frithjof Reppen einen Grabstein gesetzt, an dem sein Name und folgende Worte zu lesen sind:

Erschossen in Deutschland

5.4.1945

Nach 4 Jahren in Gefangenschaft

Ruht in fremder Erde

 

Merethe Aagaard Jensen,

Merethe Aagaard Jensen ist Historikerin, lebt und arbeitet in Wien.

 

Literatur:

Hegard, Ton: Frithjof Reppen. In: Norsk kunstnerleksikon. [Norwegisches Künstlerlexikon] URL: https://nkl.snl.no/Frithjof_Reppen (abgerufen am 08.02.2015).

Jensen, Merethe Aagaard: Den lange vej. De norske og danske fanger i KZ-lejren Mauthausen [Der lange Weg. Die norwegischen und dänischen Häftlinge im KZ-Lager Mauthausen]. Diplomarbeit, Syddansk Universitet (Odense 2010).

Larsen, Stein Ugelvik et al. (Hg.): Meldungen aus Norwegen 1940–1945. Die geheimen Lageberichte des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Norwegen (München 2008), S. 534.

Ording, Arne et al. (Hg.): Våre falne 1939–1945 [Unsere Gefallenen 1939–1945]. Bd. 3 (Oslo 1949–1951), S. 703.

Toivonen, Waldemar: Jeg vil ikke dø! [Ich will nicht sterben!] (Oslo 1947), S. 131.

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