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Pernaci Lucio 1900 - 1944 Bearbeiten

Geboren 16.1.1900 in Caltanissetta
Gestorben 27.6.1944 in Gusen

Biografie

Lucio Pernaci wurde am 16. Jänner 1900 in Caltanissetta geboren, wo er bei der staatlichen Eisenbahn Arbeit fand. Als er sich weigerte, der faschistischen Partei beizutreten, verlor er 1927 seine Arbeit. Daraufhin übte er mehrere Berufe aus und arbeitete unter anderem in den Schwefelminen. Noch im selben Jahr verließ er Sizilien und ging auf der Suche nach Arbeit nach Torino (Turin).

In Torino fand er bei der FIAT Ferriere eine Anstellung als Arbeiter. Er wohnte am Corso Regio Parco 35.

1928 holte er seine Familie nach: seine Frau Adele und seine beiden kleinen Kinder, die fast dreijährige Giuseppa und der nur neun Monate alte Michele.

Als der Krieg ausbrach beschlossen Adele und Lucio die Kinder zu ihrem Schutz in die Abruzzen nach Ortona Mare zur Familie des damaligen Verlobten von Giuseppa zu schicken. Erminio, der Verlobte war einige Jahre älter als sie und arbeitete am Polizeipräsidium von Torino. Nachdem Italien in zwei Teile geteilt war, erhielten die Eltern keine Nachrichten mehr von ihren Kindern.

Unmittelbar nach dem 8. September trat Lucio mit dem Kampfnamen „Chel” in die Vereinigungen ein, aus denen später die 7. Squadre d'Azione Partigiane (SAP) Brigade entstand.

Im März 1944 nahm er gemeinsam mit vielen anderen FIAT-Arbeitern an den Streiks teil. Ein paar Tage danach wurde er ins Polizeipräsidium bestellt. Er dachte, er würde endlich Nachricht von seinen Kindern erhalten und zog sich vertrauensvoll sein bestes Gewand an. Er wurde jedoch verhaftet und in das Gefängnis Le Nuove gebracht.

Adele erfuhr irgendwie von der Verhaftung ihres Mannes und ging gemeinsam mit einer Freundin ins Gefängnis. Während sie in einem Saal im ersten Stock auf Informationen warteten, sah Adele vom Fenster aus ihren Mann Lucio, als er einen Lastkraftwagen bestieg. Von ihren Gefühlen überwältigt warf sie sich aus dem Fenster und verletzt sich dabei unter anderem am Knie. Auf diese Weise gelang es ihr, sich von ihrem Mann ein letztes Mal zu verabschieden.

Vom Gefängnis Le Nuove kamen die insgesamt 100 Häftlinge zuerst in das Durchgangslager Fossoli. Dann wurden sie in Zugwagons gesteckt, die an einen aus Florenz kommenden Zug angehängt wurden. Am 11. März kamen die 597 Deportierten in Mauthausen an. Ihre Häftlingsnummern umfassen die Zahlen zwischen 56885 und 57481. Lucio erhielt die Nummer 57336. Nach der Quarantäne wurde er in das Außenlager Gusen verlegt. Die beiden evakuierten Kinder erhielten keine weitere Nachricht von ihrem Vater.

Erst im September 1944 erhielt die Gattin einen Brief in Kopie von der Direktion des Lagers von Mauthausen, in dem stand, dass „Herr Lucio Pernaci am 27. Juni 1944 während der Arbeit bei einem feindlichen Luftangriff gestorben ist.”

Am 7. März 1966 erhielt der Sohn Michele vom Comité International de la Croix-Rouge einen Antwortbrief infolge einer Anfrage der Familie Pernaci hinsichtlich des Todes von Lucio. Darin stand, dass sie nicht in der Lage wären, die Akte abzuschließen.

In der Nachkriegszeit wurde er als gefallener Partisan anerkannt. Im Jänner 2014 wurde ihm ein Stolperstein vor seiner letzten Wohnung in Torino gewidmet.

Lucio Monaco

ANED Zweigniederlassung Torino / Fondazione memoria della Deportazione (Stiftung Gedenken an die Deportierten)

 

Literatur:

Gli scioperi del marzo 1944, Milano, Franco Angeli, 1986, S. 66.

M. Sforza, La città sotto il fuoco della guerra, Roma, Rodorigo editore, 2014, S. 331.

www.istoreto.it, Banca Dati del Partigianato Piemontese (Datenbank der Partisanenbewegung im Piemont).

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